Richtig lüften im Winter: Wie oft, wie lange und was Sie vermeiden sollten

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Weiße Vorhänge an einem geöffneten Fenster mit Blick auf winterliche Berge

Zuletzt aktualisiert: November 2026

Im Winter haben viele Menschen Angst, Heizwärme zu verschwenden, und lüften deshalb kaum. Das Ergebnis: Die Luft wird feucht, Fenster beschlagen, und im schlimmsten Fall bildet sich Schimmel. Dabei ist richtiges Lüften im Winter keine Energieverschwendung, sondern eine der wirksamsten Maßnahmen für gesundes Wohnen. Es kommt nur auf die Methode an.

Kurz beantwortet

Im Winter lüften Sie am besten per Stoßlüften: Fenster weit öffnen und je nach Temperatur und Wind zwei- bis dreimal täglich etwa fünf Minuten pro Raum lüften. Das Umweltbundesamt empfiehlt zusätzlich, im Schlafzimmer morgens und in Küche und Bad nach dem Kochen oder Duschen fünf bis zehn Minuten zu lüften. Dauerhaft gekippte Fenster bringen wenig und kosten Wärme.

Warum Lüften im Winter wichtig ist

Menschen geben beim Atmen, Duschen, Kochen und Wäschetrocknen Feuchtigkeit ab. Nach Angaben des Umweltbundesamtes atmen vier Menschen am Tag etwa 12 Liter Wasser aus, dazu kommt die Feuchtigkeit vom Kochen, Duschen und Wäschewaschen. Diese Feuchtigkeit muss raus. Sonst kondensiert sie an kalten Flächen wie Fensterlaibungen, Außenwänden und hinter Möbeln. Dort kann Schimmel wachsen, besonders wenn die relative Luftfeuchte an kalten Oberflächen auf mehr als 70 Prozent ansteigt, wie die Verbraucherzentrale erklärt.

Kalte Winterluft kann zudem wenig Wasserdampf aufnehmen. Wenn sie in die Wohnung strömt und sich erwärmt, wird sie relativ trocken. Deshalb senkt Lüften im Winter die Luftfeuchte besonders effektiv. Mehr zum Zusammenhang steht bei Wikipedia.

Stoßlüften statt Kippfenster

Beim Stoßlüften öffnen Sie Fenster komplett, möglichst mit Durchzug (Querlüften). Der Luftaustausch gelingt in wenigen Minuten, während Wände und Möbel kaum auskühlen. Beim Kippfenster dagegen strömt über lange Zeit nur wenig Luft aus, es kühlt vor allem die Fensterlaibung ab und erhöht das Schimmelrisiko. Zudem steigt der Energieverbrauch. Die Verbraucherzentrale rät, Fenster nicht auf Kipp zu lassen, weil das wenig bringt und viel Wärme verloren geht.

Das Umweltbundesamt erklärt ausführlich, wie man richtig lüftet. Auch die Verbraucherzentrale hat Hinweise zu Heizen und Lüften.

Wie lange und wie oft?

Die Dauer hängt von der Außentemperatur ab. Je kälter es draußen ist, desto schneller gelingt der Luftaustausch. Die Angaben der beiden Quellen im Vergleich:

SituationUmweltbundesamtVerbraucherzentrale
Kalte Jahreszeit, ganze Wohnung2- bis 3-mal täglich ca. 5 Minuten pro Raumim Winter bei niedrigen Temperaturen oder Wind 3 bis 5 Minuten
Schlafzimmer morgens5 bis 10 Minutengleich nach dem Aufstehen gut durchlüften
Küche und Badwährend und nach Kochen oder Duschen 5 bis 10 MinutenFeuchtigkeit sofort nach draußen lüften
Übergangszeit und warme Jahreszeitetwas länger, je nach Temperatur und Wind 10 bis 20 Minutenim Frühjahr oder Herbst 10 bis 20 Minuten bis zum kompletten Luftaustausch

Wenn die Luft nach dem Lüften frisch wirkt und die Fenster nicht mehr beschlagen, war es genug. Lüften Sie nach dem Duschen oder Kochen zusätzlich, und auch beim Wäschetrocknen in der Wohnung öfter.

Praxistipp

Heizung vor dem Lüften auf Stufe 1 oder „aus“ drehen und danach wieder aufdrehen. Das verhindert, dass die Heizung gegen das offene Fenster anheizt. Wer ein smartes Thermostat hat, kann das Absenken automatisieren.

Welche Temperatur und Luftfeuchte sind richtig?

Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Ein Hygrometer zeigt das an. Bei den Temperaturen gibt die Behörde in einfacher Sprache 20 Grad im Wohnzimmer, 18 Grad in der Küche und 17 Grad im Schlafzimmer als ausreichend an, die Verbraucherzentrale rät, das Schlafzimmer auch tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad zu beheizen. Wenn die Werte im Winter dauerhaft zu hoch liegen, lüften Sie öfter oder prüfen, ob ein Entfeuchter helfen kann. Mehr dazu im Beitrag Luftentfeuchter für die Wohnung.

Je höher die Luftfeuchtigkeit und je niedriger die Raumtemperatur, desto größer ist das Schimmelrisiko, schreibt die Verbraucherzentrale. Räume sollten deshalb nicht komplett auskühlen. Auch das Schließen der Türen zwischen warmen und kalten Räumen gehört dazu: Warme, feuchte Luft aus der Küche oder dem Wohnzimmer sollte nicht ins kalte Schlafzimmer ziehen.

Praxistipp

Die Luftfeuchte in Raummitte sagt nicht alles. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass an kalten Außenwänden und Wärmebrücken schon bei 50 Prozent im Raum mehr als 70 Prozent herrschen können, und ab etwa 70 bis 80 Prozent direkt an der Wand kann Schimmel wachsen. In schlecht gedämmten Häusern können an kalten Tagen deshalb schon 40 Prozent Raumluftfeuchte zu viel sein.

Hängen Sie das Hygrometer nicht neben den Heizkörper oder ans Fenster, sondern an eine Innenwand in Brusthöhe. Eine CO2-Ampel zeigt zusätzlich, wann die Luft verbraucht ist, und liefert laut Verbraucherzentrale oft auch Temperatur und Luftfeuchte. Zum Sparen empfiehlt das Umweltbundesamt, nachts oder bei einigen Stunden Abwesenheit auf etwa 18 Grad abzusenken, bei wenigen Tagen Abwesenheit auf etwa 15 Grad.

Warum kurzes Lüften reicht: zwei Zahlen, die alles erklären

Die Verbraucherzentrale rechnet das anschaulich vor: Ein Kubikmeter Luft nimmt bei 0 Grad knapp 5 Gramm Wasser auf, bei 20 Grad dagegen gut 17 Gramm. Holen Sie also Außenluft von 0 Grad mit 4 Gramm Wasser je Kubikmeter herein (das sind 90 Prozent relative Luftfeuchte), und wärmt sie sich im Raum auf 20 Grad auf, liegt die relative Luftfeuchte nur noch bei etwa 30 Prozent. Die Luft kann dann wieder reichlich Feuchtigkeit aus Raum, Möbeln und Textilien aufnehmen, und das nächste Lüften trägt sie hinaus.

Deshalb genügen im Winter wenige Minuten: Die feuchte Luft ist getauscht, die Wände sind noch nicht ausgekühlt.

Wie viele Lüftungsgänge am Tag nötig sind, hängt vom Haushalt ab. Das Portal co2online nennt drei- bis viermal täglich als Richtwert, bei ganztags anwesenden Personen vier- bis fünfmal. Die Verbraucherzentrale spricht von mindestens drei bis vier kompletten Luftwechseln am Tag.

Typische Fehler beim Lüften

  • Dauerkippen: kühlt aus und lüftet kaum
  • Zu kurz lüften: Wenige Sekunden reichen nicht für einen echten Luftaustausch
  • Möbel dicht an die Außenwand stellen: Das Umweltbundesamt nennt Bereiche hinter und unter dem Bett und hinter massiven Möbeln als typische Schimmelstellen
  • Wäsche im Wohnraum trocknen ohne zusätzliches Lüften
  • Heizkörper abdecken: Vorhänge oder Möbel vor dem Heizkörper behindern die Wärmeverteilung
  • Räume nicht beheizen und dann feuchte Luft aus anderen Zimmern hineinlassen

Lüften bei Altbau und Neubau

In Altbauten mit undichten Fenstern findet ein ständiger Luftaustausch statt, der aber unkontrolliert ist. Hier bleibt Stoßlüften sinnvoll, um zusätzlich Feuchte abzuführen. In Neubauten und sanierten Häusern mit sehr dichter Gebäudehülle ist der natürliche Luftwechsel gering. Hier ist regelmäßiges Lüften besonders wichtig, oder eine Lüftungsanlage übernimmt das. Die Verbraucherzentrale informiert über Lüftungsanlagen. Wenn Sie ein Haus kaufen, lohnt ein Blick auf die Lüftungssituation, siehe Hausbesichtigung Checkliste.

Im frischen Neubau rechnet das Umweltbundesamt damit, dass die Baufeuchte erst nach ein bis zwei Jahren ausgetrocknet ist. Bis dahin lüften Sie öfter und zahlen mehr fürs Heizen. Auch nach einer Sanierung gilt: Die dichtere Hülle verringert den passiven Luftaustausch, das Lüften muss angepasst werden.

Energie sparen und trotzdem lüften

Beim kurzen Stoßlüften kühlen Wände und Möbel kaum aus, die Raumluft erwärmt sich danach schnell wieder. Energie verschwenden Sie vor allem mit Dauerkippen und offenen Fenstern bei laufender Heizung. Weitere Hinweise zum sparsamen Heizen gibt das Umweltbundesamt unter Richtig heizen.

Lüften mit Kindern, Haustieren und Pflanzen

Kinder und Tiere sollten beim Stoßlüften kurz in einem anderen Raum sein oder ein Stück vom Fenster entfernt bleiben. Katzen sollten nicht unbeaufsichtigt an gekippten Fenstern sitzen, denn das Kippfenster kann zur Falle werden, wie der Beitrag Katzensicherer Balkon erklärt. Zimmerpflanzen vertragen Zugluft schlecht. Stellen Sie empfindliche Pflanzen beim Lüften vom Fenster weg.

Feuchtigkeit hinterm Schrank erkennen

Wenn trotz gutem Lüften ein muffiger Geruch bleibt, schauen Sie hinter Schränke an Außenwänden. Dort bildet sich zuerst Schimmel. Rücken Sie Möbel ein Stück ab und prüfen Sie die Wand. Wenn Sie dunkle Flecken sehen, beheben Sie die Ursache, bevor Sie reinigen. Kleine Flächen können Sie mit geeignetem Mittel behandeln, bei größeren oder wiederkehrenden Flecken suchen Sie fachlichen Rat.

Ein Lüftungsplan für den Alltag

Damit Lüften nicht dem Zufall überlassen bleibt, hilft eine feste Routine. Koppeln Sie das Lüften an Gewohnheiten: Morgens, wenn der Kaffee durchläuft, werden im Schlafzimmer und Bad die Fenster geöffnet. Nach dem Mittagessen lüften Sie Küche und Wohnzimmer, nach der Arbeit noch einmal alle Räume, und vor dem Zubettgehen das Schlafzimmer. Wer berufstätig ist und tagsüber nicht zu Hause, lüftet morgens vor dem Gehen und abends nach der Rückkehr gründlich, und verzichtet nicht auf das Abendlüften, weil die Wohnung tagsüber unbeheizt bleibt.

Hilfreich sind digitale Hygrometer mit Alarm oder Ampelfunktion. Sie zeigen in Echtzeit, wann die Luftfeuchte steigt. So lernen Sie schnell, welche Räume und Tageszeiten kritisch sind. Im Schlafzimmer geben Menschen nachts Feuchtigkeit ab, deshalb nennt das Umweltbundesamt das Lüften direkt nach dem Aufstehen ausdrücklich.

Wäsche trocknen, ohne die Wohnung zu fluten

Beim Wäschetrocknen in der Wohnung gelangt viel Wasser in die Raumluft. Wenn Sie die Wäsche in der Wohnung aufhängen, gelten besondere Regeln: Stellen Sie den Wäscheständer in einen Raum, den Sie gut lüften können, und halten Sie die Tür zu den übrigen Räumen geschlossen. Lüften Sie währenddessen mehrfach kräftig. Bei Bedarf unterstützt ein Luftentfeuchter. Im Schlafzimmer sollte keine Wäsche hängen. Wer einen Trockner nutzt, braucht entweder Abluft nach außen oder ein Kondensgerät mit gutem Wirkungsgrad, und sollte nach dem Trocknen lüften.

Wenn es trotz Lüften feucht bleibt

Bleibt die Luftfeuchte dauerhaft hoch, können bauliche Ursachen dahinterstecken: Wärmebrücken, undichte Dächer oder Leitungen, aufsteigende Feuchte im Mauerwerk. Dann reicht Lüften nicht. Dokumentieren Sie die Werte über zwei bis vier Wochen und holen Sie fachlichen Rat ein, etwa bei einem Energieberater oder einem Sachverständigen. Bei Mietwohnungen informieren Sie die Vermietung schriftlich und mit Messwerten. Für Fragen zu Mietrecht und Zuständigkeiten beraten Mietervereine und Verbraucherzentralen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man im Winter lüften?

Zwei- bis dreimal täglich ist laut Umweltbundesamt ausreichend, dazu das Schlafzimmer morgens sowie Küche und Bad nach dem Kochen oder Duschen.

Ist ein Kippfenster im Winter schlecht?

Ja. Es lüftet schlecht, kühlt die Wand aus und verbraucht Energie. Stoßlüften ist besser.

Welche Luftfeuchtigkeit ist im Winter ideal?

40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte, so das Umweltbundesamt. Messen Sie mit einem Hygrometer.

Soll die Heizung beim Lüften ausgehen?

Drehen Sie das Thermostat für die paar Minuten herunter, damit die Heizung nicht gegen das offene Fenster anläuft, und danach wieder auf. Kippen Sie Fenster nur in Ausnahmefällen, etwa im Bad, bis die Luftfeuchte unter 50 Prozent gesunken ist. Stellen Sie die Heizung dann auf eine kleine Stufe, rät die Verbraucherzentrale.

Türen zwischen den Zimmern offen lassen oder schließen?

Schließen Sie Bad- und Küchentür beim Duschen und Kochen, damit der Wasserdampf nicht durch die Wohnung zieht, und lüften Sie diese Räume direkt nach draußen. Die Tür zu kühleren Schlafzimmern sollte laut Umweltbundesamt immer zu bleiben, weil wärmere, feuchtere Luft dort an kalten Flächen kondensiert.

Wie lange lüftet man bei Frost?

Bei Frost reichen meist drei bis fünf Minuten, je kälter und windiger, desto kürzer. In Frühjahr und Herbst kann der komplette Luftaustausch zehn bis 20 Minuten dauern.

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